Elefantenreiten, Selfies mit Löwenbabys, Delfinshows : Wildtiertourismus boomt. Weltweit. Und mit ihm ein System, das auf einer einfachen Grundlage funktioniert: Wildtiere müssen gebrochen werden, bevor sie für Touristen nutzbar sind.

Elefanten, die Reisende tragen, wurden als Jungtiere fixiert, geschlagen und von ihrer Mutter getrennt. Das Verfahren heißt „Phajaan" und ist keine Ausnahme, sondern Methode. Der Elefant, der danach ruhig steht, ist nicht zahm — er hat aufgehört zu kämpfen. Beim Löwenbaby-Selfie läuft es ähnlich. Jungtiere kommen früh von der Mutter weg, werden intensiv mit Menschen sozialisiert und sind nach wenigen Monaten für diesen Zweck zu groß. Was danach mit ihnen passiert, kommunizieren die meisten Betreiber nicht.

Die Beispiele ließen sich fortsetzen: In Marokko werden Berberaffen für Souvenir-Fotos eingefangen. In Thailand können Touristen in sogenannten Tigertempeln sedierte Raubkatzen streicheln. In Asien boomen Wasserparks, für die noch immer wilde Delfine und Haie gefangen werden. In Südamerika halten Faultiere und Papageien als Selfie-Requisiten her.

Warum bleibt das weitgehend unsichtbar?

Zum einen, weil die Angebote gut verpackt sind. „Elephant Sanctuary", „Wildlife Experience", „Rescue Center": die Begriffe klingen nach Schutz und Bildung. Zum anderen, weil die Reisebranche kaum Anreize hat, genauer hinzusehen. Verbindliche Standards gibt es so gut wie keine.

Tierleid steckt auch in Produkten, die harmloser wirken: Korallenketten und Haizahn-Anhänger als Souvenir. Walfleisch als „regionale Delikatesse" in Norwegen oder Island. Froschschenkel und frittierte Taranteln als exotisches Erlebnis. Jedes Jahr sterben Millionen Tiere für das Geschäft mit Urlaubserinnerungen.

Konkrete Orientierungspunkte für Reisende:

  • Wildtiere in der freien Natur beobachten — mit Abstand.

  • Keine Einrichtungen besuchen, die direkten Kontakt mit Wildtieren anbieten, egal unter welchem Namen.

  • Ausschließlich seriöse Auffangstationen aufsuchen, die sich klar von kommerziellen Angeboten abgrenzen.

  • Keine Souvenirs aus Wildtierprodukten kaufen, kein Fleisch von Wildtieren essen.

  • Tiershows, Tiercafés und Delfinarien meiden.

Pro Wildlife arbeitet seit Jahren an diesem Punkt. Das Projekt „Wildtierfreundliches Reisen", gefördert von der Stiftung Zukunft jetzt!, setzt auf Aufklärung über Social Media, Influencer-Kooperationen und direkte Kampagnen — parallel dazu auf konkrete Leitlinien für Reiseanbieter und den Dialog mit der Branche. Mehr als 40 Reiseveranstalter haben bereits auf elefantenfreundliche Angebote umgestellt.

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Tags: Tierwohl, Tierethik und Tierrechte, Tierschutz