von: Ann Collet, ehrenamtliche Mitarbeiterin und Doris Schneeberger, Gründerin

Neue Wege in der Landwirtschaft: Geschichten der Transfarmation

Die pflanzliche Ernährungswende ist in aller Munde. Doch wie gelingt sie konkret?

Ein zentraler Hebel liegt in der sogenannten Transfarmation – dem Übergang von tierbasierter zu pflanzlicher Landwirtschaft.

Transfarmation beschreibt einen tiefgreifenden Veränderungsprozess auf landwirtschaftlichen Betrieben: weg von der Nutzung von Tieren, hin zu pflanzlicher Produktion, neuen Geschäftsmodellen und oft auch neuen ethischen Perspektiven. Dieser Wandel ist komplex – ökonomisch, sozial und persönlich. Gleichzeitig entstehen zunehmend Beispiele, die zeigen, dass er gelingen kann.

Ein möglicher Weg sind sogenannte Lebenshöfe: ehemalige landwirtschaftliche Betriebe, die Tieren ein dauerhaftes Zuhause bieten. Der Zenzlhof in der Steiermark ist ein solcher Ort und sucht aktuell Pat:innen für die dort lebenden Kühe und Kälber. Andere Betriebe entscheiden sich für den Einstieg in bio-veganen Ackerbau, spezialisieren sich auf Kulturen wie Soja oder Pilze oder entwickeln neue Formen der Direktvermarktung. Transfarmation ist ein hochindividueller Prozess mit vielen möglichen Ausprägungen.

Sichtbarkeit schaffen, Wandel ermöglichen

Um diese Vielfalt sichtbar zu machen, hat Transfarmation Österreich die Videoserie Transfarmation Stories ins Leben gerufen.

In Gesprächen mit Landwirten und Produzenten werden persönliche Geschichten dokumentiert: ihre Motivation, ihre Zweifel, ihre Entscheidungen und die Herausforderungen, denen sie begegnen. Deutlich wird dabei: Transfarmation ist kein linearer Prozess. Sie entsteht aus einer Vielzahl von Entscheidungen, die wirtschaftliche Überlegungen ebenso umfassen wie persönliche Werte und gesellschaftliche Entwicklungen. Gerade deshalb sind Erfahrungsberichte aus der Praxis so wertvoll, denn sie ermöglichen Lernen am Modell, Orientierung und Austausch.

Zwei Beispiele für gelungene Transfarmation

Möller’s Morgen (Deutschland)

Möller’s Morgen verbindet Landwirtschaft, Tierschutz und Bildungsarbeit. Neben dem Anbau biologischer, pflanzlicher Produkte bietet der Betrieb Programme für Schulklassen zu Themen wie Ernährung, Globalisierung und Tierethik an.

Ein kleiner Lebenshof mit geretteten Kühen komplettiert das vielfältige Setting vor Ort. Im Video berichtet Marco Möller davon, wie er und sein Bruder den Familienbetrieb übernommen und grundlegend neu ausgerichtet haben. Ihre Geschichte zeigt, dass Transfarmation nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung ist, sondern auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.

Zwei Brüder im Gewächshaus
Foto: Möller Brüder
Der Wurzgarten (Oberösterreich)

Johann Kofler-Mair ging einen anderen Weg. Ohne landwirtschaftliche Ausbildung entschied er sich, ein zuvor ungenutztes Grundstück in einen vielfältigen Gemüsegarten zu verwandeln.

Seine Eltern hatten bis 2007 einen Betrieb mit Tierhaltung geführt – ein Modell, das er bewusst nicht weiterführen wollte. Heute produziert der Wurzgarten pflanzliche Lebensmittel für die Region und zeigt, wie Transfarmation auch durch Neuanfang gelingen kann. Im Mittelpunkt steht dabei die Idee, hochwertige pflanzliche Produkte direkt aus der Region verfügbar zu machen.

Ein Stand mit frischem Gemüse
Foto: Gemüseabholung beim Wurzgarten

Tierethik in Theorie und Praxis

So unterschiedlich die Wege sind, verbindet diese Betriebe ein gemeinsamer Ansatz: bio-vegane Landwirtschaft. Sie verzichtet sowohl auf tierische als auch auf synthetische Düngemittel und steht für eine Form der Produktion, die ökologische Nachhaltigkeit mit tierethischen Überlegungen verbindet.

Die Transfarmation Stories leisten damit mehr als reine Dokumentation. Sie schaffen eine zugängliche Wissensbasis für Landwirte, politische Entscheidungsträger und die Zivilgesellschaft – und regen zum Dialog an. Sichtbare Beispiele spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, neue Möglichkeiten denkbar und umsetzbar zu machen.

Vernetzung und Ausblick

Um Transfarmation weiter voranzubringen, arbeitet Transfarmation Österreich eng mit verschiedenen Akteur:innen zusammen (z.B. aus der Forschung (Vienna Animal Studies)) und ist in (inter)nationale Diskurse eingebunden – etwa beim Österreichischen Tierrechtskongress, der Veranstaltung zu Renaturierung von Farming for Nature, oder dem NYU Mind, Ethics, and Policy Summit.

Transfarmation ist kein Nischenthema mehr, sondern ein wichtiger Baustein der Ernährungswende. Die vorgestellten Beispiele zeigen: Der Wandel ist anspruchsvoll, aber möglich. Und vielleicht noch wichtiger: Er hat bereits begonnen.

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Menschen picknicken gemeinsam mit Tieren

Gemeinsam 20.000 Euro für die Zukunft

Unsere Matching-Grant-Aktion zugunsten von Transfarmation Austria ist erfolgreich zu Ende gegangen. Dank des Engagements vieler Unterstützerinnen und Unterstützer konnten 5.100 Euro gesammelt werden. Die Stiftung Zukunft jetzt! wird diesen Betrag verdoppeln, sodass rund 10.000 Euro konkrete Zukunftslösungen wirksam werden/fliessen können. Diese Mittel werden weitergeleitet/helfen/leisten ei...

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Kategorien: Projekt-News
Tags: Ernährungs- und Agrarwende, Pflanzliche Ernährung