von: Marc Pierschel

Die 18-jährige Anna lebt mit ihrem Vater Robert gemeinsam in einem Einfamilienhaus in einer Kleinstadt. Seit dem Tod der Mutter vor zwei Jahren kümmert Anna sich um den Haushalt und unterstützt ihren depressiven Vater. Gemeinsam versuchen sie, das Haus abzuzahlen: Anna hat auf eine Ausbildung als Köchin verzichtet und arbeitet stattdessen als Küchenhilfe, um mehr zu verdienen, während Robert, ein ehemaliger Tischler, aufgrund gesundheitlicher Probleme im lokalen Schlachthof beschäftigt ist. Die fragile Beziehung der beiden ist geprägt von der Trauer um die Mutter, die sie verdrängen, ebenso wie alle Erinnerungen an sie.

Eine zufällige Begegnung mit einer entlaufenen Kuh aus dem Schlachthof verändert alles. Von der stillen Stärke des Tieres fasziniert, beginnt Anna, die Kuh heimlich im Wald zu versorgen, und gibt ihr den Namen Matilda. Was als spontane Geste beginnt, wird für Anna mehr und mehr zu einem Zufluchtsort inmitten ihrer erdrückenden Realität.

Als Anna zwei Tierrechtler kennenlernt, gerät sie in einen inneren Konflikt: Ihre wachsenden moralischen Überzeugungen kollidieren mit der harten Realität, mit ihrem Job im Restaurant für ihren Vater und ihr Zuhause sorgen zu müssen.

Ein schwerer Verkehrsunfall, der angeblich durch die Kuh verursacht wurde, stellt Annas Leben auf den Kopf. Robert wird beauftragt, die Jagd auf das vermeintlich gefährliche Tier zu organisieren, um weitere Vorfälle zu verhindern. In letzter Minute gelingt es Anna jedoch, die Kuh in einem Holzschuppen zu verstecken. Aber als sie das Tier versorgen will, verweigert die Kuh das Futter. Als Anna schließlich Hilfe holt, ist die Kuh entkommen und hat sich dabei verletzt. Anna gibt sich dafür die Schuld.

Doch Anna gibt nicht auf. Sie versucht Matilda wieder aufzuspüren um ihr zu helfen. Doch die verzweifelte Suche nach der Kuh fordert ihren Tribut. Annas Routine gerät immer mehr aus den Fugen. Schlafmangel und Albträume lassen Realität und Wahn, Vergangenheit und Gegenwart, zunehmend verschwimmen.

Ermutigt durch die Kuh und unverstanden von ihrem Vater, beginnt Anna sich mit der verdrängten Geschichte ihrer Mutter auseinanderzusetzen und fordert Robert heraus. Der will davon nichts wissen, macht sich aber zunehmend Sorgen um seine Tochter. Die Suche nach der Kuh bleibt erfolglos und Roberts Chef setzt ihn zunehmend unter Druck. Schließlich wird eine interne Untersuchung eingeleitet, die Roberts fahrlässiges Verhalten aufdeckt, dass zur Flucht der Kuh geführt hat.

Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen Vater und Tochter, die ihre fragile Beziehung auf eine harte Probe stellt und beide zwingt, sich der verdrängten Vergangenheit zu stellen. Finden sie einen Weg zur Heilung – oder wird Matildas Schicksal zu einem Spiegelbild ihrer eigenen Unfähigkeit, sich von der Vergangenheit zu lösen?

MATILDA ist ein bewegendes Drama über Verlust, Verantwortung und die Suche nach Sinn in einer Welt, die oft schwierige Opfer fordert.

Um Matilda zu realisieren, habe ich zusammen mit Steffi Köhler unsere Produktionsfirma Antimae Film gegründet. Damit haben wir uns zum Ziel gesetzt, authentische Filme zu produzieren, die inspirieren, bewegen und bestärken. Matilda ist unser Debütspielfilm.

Die Idee zu MATILDA entstand während der Dreharbeiten zu meinem Dokumentarfilm BUTENLAND. Die Geschichte einer Kuh, die dem Schlachthof entkommt und sich im Wald versteckt, basiert auf realen Ereignissen und wirft die Frage auf, wie Menschen einem Lebewesen begegnen, das ihrem Schicksal gerade noch entkommen ist. Es ist auch ein Film über unausgesprochene Trauer, verdrängte Schuld und die verzweifelte Suche nach einer Verbindung, nachdem der Tod alles verändert hat.

Bei der Figur von Anna interessiert mich besonders, was die unbedarfte Begegnung in ihr auslöst. Für mich findet Anna in Matilda eine Verbündete, denn beide sind Gefangene, die gegen die Erwartungen an sie rebellieren. In Matildas Schicksal erkennt Anna ihr eigenes Streben nach Freiheit und Selbstbestimmung. Doch Anna sieht sich zunehmend mit einer Tragödie konfrontiert, der sie nicht gewachsen ist. Matildas Krise wird zu Annas Krise. Anna wiederholt den Fehler, den sie bereits zuvor gemacht hat: Sie opfert sich für jemand anderen auf und vernachlässigt dabei ihre eigenen Bedürfnisse.

Seit langem fasziniert mich das Thema der Mensch-Tier-Beziehung. Anders als der Dokumentarfilm ermöglicht der Spielfilm einen tiefen Einblick in die Perspektive der Hauptfigur. Ist Annas Sichtweise auf das Thema zu Beginn eher unbedarft und inspirierend, wird es zum Ende aber auch bedrohlich und erschreckend.

MATILDA zeichnet sich durch eine zurückhaltende, beobachtende Erzählweise aus, wie ich sie auch in meinen Dokumentarfilmen verwende. Sie schafft eine authentische und unmittelbare Atmosphäre, die die Zuschauenden in die Welt der Protagonistinnen eintauchen lässt. In emotional aufgeladenen Porträts werden Figuren gezeichnet, die in gesellschaftlichen Konventionen gefangen sind und Themen wie Familie, Gerechtigkeit und Moral verhandeln müssen.

Während des Testdrehs im Oktober 2022 konnten wir bereits mit zwei Schauspier*innen sowie der Kuh Ella arbeiten. Ella lebt auf dem Erdlingshof und befindet sich während der Dreharbeiten in einem für sie bekannten Waldstück, welches in unmittelbarer Nähe zum Hof liegt. Bei den Szenen mit Ella war mir wichtig, dass sie zum einen nur normales Verhalten einer Kuh beschreiben und zum anderen im Dreh einfach zu realisieren sind. Das hat im Testdreh prima geklappt.

MATILDA soll ein Film werden, der berührt und zum Nachdenken anregt. Er stellt Fragen nach der Verantwortung, die wir füreinander tragen, nach der Bedeutung von Familie und nach der Möglichkeit, auch nach einem Verlust wieder Hoffnung zu finden.

Wir freuen uns sehr auf den Drehstart im Sommer diesen Jahres und über die finanzielle Unterstützung der Stiftung Zukunft jetzt!

Die Crew beim Testdreh
Foto: Die Crew beim Testdreh

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Kategorien: Allgemein
Tags: Tierschutz, Tierwohl, Tierethik und Tierrechte, Medien