Der Boden unter einem regenerativ bewirtschafteten Acker funktioniert wie ein Schwamm. Bei Starkregen saugt er das Wasser auf, bei Dürre gibt er die gespeicherte Feuchtigkeit wieder ab. Ein Bild, das der Landwirt Gonzalo Úrculo benutzt, um zu erklären, warum er und Tausende andere ihre Felder anders bewirtschaften als noch vor zehn Jahren.

Úrculo ist Mitgründer von CrowdFarming, einer Online-Plattform, über die europäische Landwirte ihre Ernte direkt an Verbraucher verkaufen, ohne Zwischenhändler. Entstanden ist sie aus einer Orangenplantage: Gonzalo und sein Bruder Gabriel übernahmen den Familienbetrieb bei Valencia und erkannten, dass sie aus der klassischen Lebensmittelkette ausbrechen mussten, um als Landwirte zu bestehen.

2010 begannen sie, ihre Orangen über eine eigene Website direkt zu verkaufen, und erfanden dazu ein Adoptionsmodell: Verbraucher finanzieren einen Baum und bekommen im Gegenzug dessen Ernte. Aus dieser Idee wurde 2017 CrowdFarming. Heute bietet die Plattform Landwirten alles aus einer Hand, von Logistik über Verpackung bis Kundenservice und Marketing, und über den Direktvertrieb beziehen inzwischen über eine halbe Million Haushalte ihre Lebensmittel.

Mittendrin steht eine These, die das ganze Projekt trägt: Regenerative Landwirtschaft ist kein ökologischer Luxus, sondern der pragmatischste Weg, Höfe wirtschaftlich und agronomisch krisenfest zu machen.

Was heißt regenerative Landwirtschaft?

Bio meint den Verzicht auf synthetische Chemikalien und Gentechnik, geregelt über EU-Vorschriften. Regenerativ geht einen Schritt weiter und fragt nach dem Ergebnis: Wird der Boden tatsächlich gesünder? Bindet er mehr Kohlenstoff und Wasser? Kehrt die Artenvielfalt zurück?
Die Praktiken dahinter sind unspektakulär. Zwischenfrüchte anbauen, statt den Acker nackt liegen zu lassen. Den Boden möglichst wenig umpflügen. Tiere in den Kreislauf holen, deren Dung düngt und deren Bewegung die Bodenstruktur lockert. Mulchen, kompostieren, Hecken pflanzen.

Wichtig in diesem Zusammenhang: Regenerative Landwirtschaft ist kontextabhängig. Was auf einem Mangohof in Andalusien funktioniert, passt nicht auf einen Gemüsebetrieb am Bodensee. Es gibt nicht das eine Rezept. Es gibt nur das Ziel, messbar positive Auswirkungen auf die Umwelt nachzuweisen.

Gesunde Böden tragen gesünderes Obst

CrowdFarming hat in einer eigenen Studienreihe untersucht, was regenerativ-biologische Praktiken mit dem Essen machen, das am Ende auf dem Teller landet.
Die Ergebnisse: bis zu 31 % mehr organische Substanz im Boden, 30 % mehr Vitamin C in Orangen, 23 % mehr Antioxidantien in Trauben. Die Firma nennt das "Ernährungsparadox", nämlich die Beobachtung, dass moderne Lebensmittel oft satt, aber nicht besonders nährstoffreich machen. Gesunder Boden dreht das ein Stück weit zurück: Ein lebendiger Boden bringt nährstoffdichtere Pflanzen hervor.

Initiative "1 % für den Boden"

Die Umstellung auf regenerative Landwirtschaft kostet Geld, bevor sie welches einbringt. Anfangsinvestitionen, fehlendes technisches Wissen, ein paar magere Übergangsjahre. Für viele Höfe ist genau das die Hürde. 95 % der befragten Landwirte wenden zwar schon einzelne regenerative Methoden an, aber ein Drittel bremst beim weiteren Umstieg, weil ihnen Know-how und Kapital fehlen.

CrowdFarmings Antwort ist eine Initiative namens "1 % für den Boden". 1 % der Bruttoeinnahmen der regenerativen Betriebe fließt in einen Fonds, der die Umstellung finanziert. Das Ziel: 10.000 Hektar europäisches Ackerland in regenerative Systeme überführen. Ende 2025 waren davon 4.176 Hektar aktiv in Regeneration, also knapp die Hälfte.

2025 flossen fast 399.578 € in diesen Wandel, verteilt auf vier Bereiche: Schulung, Monitoring und digitale Tools, Forschung und Sensibilisierung. Vor Ort gab es 9 praktische Schulungen in Spanien, Frankreich, Italien und Deutschland, dazu 6 Online-Schulungen für die laufende Betreuung.

Drei Höfe, die zeigen, wie das aussieht

Am greifbarsten wird das Ganze an einzelnen Betrieben:

Cabrillas de Vélez, Málaga. Carlos Clavero baut in dritter Generation Mangos und Avocados an, in einer Region, in der Wasser immer knapper wird. Er hat aggressive Eingriffe zurückgefahren und der Natur Raum gelassen. Auf dem Hof leben inzwischen 16 Pflanzen- und 8 Vogelarten, ein renaturierter Teich beherbergt sogar eine Entenfamilie. Sein größter Erfolg des Jahres, sagt er selbst, sei die verbesserte Bodenqualität.

Moosfeld Gemüse, Singen. Jakob Mannherz betreibt biozyklisch-vegane Landwirtschaft, ganz ohne tierische Betriebsmittel. Vor jeder Hauptkultur pflanzt er Deckfrüchte mit hohem Hülsenfrüchte-Anteil, die auf natürliche Weise Stickstoff binden. Seine Photovoltaikanlage erzeugt über 50 % des Stroms, den der Betrieb verbraucht. Ein geschlossenes System, das ohne Kunstdünger und weitgehend energieautark läuft.

Gut & Bösel, Brandenburg. Benedikt Bösel, ehemaliger Finanzexperte, betreibt auf 3.000 Hektar Sandboden ein lebendes Labor. Statt Monokulturen weiden dort Black-Angus- und Salers-Rinder, die er "wandelnde Kompostmaschinen" nennt. Sie binden CO2 im Boden und verbessern die Wasserrückhaltung. Bösel geht dabei radikal beim Tierschutz vor, die Herde bleibt ihr Leben lang zusammen.

Drei Höfe mit drei völlig verschiedenen Ansätzen: Genau das ist der Punkt bei der Kontextabhängigkeit.

Weshalb CrowdFarming auch Fleisch verkauft

2025 hat CrowdFarming, mit 99,8 % pflanzlichem Sortiment, den Verkauf von Fleisch eingeführt.

Der Grund liegt in der Logik der regenerativen Landwirtschaft selbst. Tiere gehören in vielen Systemen dazu, ihr Dung schließt Nährstoffkreisläufe, ihre Bewegung lockert den Boden. Bei der Wiederentdeckung dieser Rolle stieß die Firma auf ein Problem: Es fehlen qualifizierte Hirten, weil die Herdenhaltung sich wirtschaftlich kaum noch lohnt. Ohne finanzielle Tragfähigkeit kein Tier im System.

Die Kategorie startete unter strengen Regeln. Zertifiziert bio, Aufzucht im Freien ohne Gentechnik. Pflanzenfresser bekommen zu 100 % Gras und Weidefutter, Allesfresser wie Schweine mindestens 70 %. Intensivmast in Feedlots ist ausgeschlossen, überwacht über ein eigenes Mess- und Prüfprotokoll.

CrowdFarming betont ausdrücklich, dass es die Entscheidung für vegane oder vegetarische Ernährung respektiert, gestützt unter anderem auf Positionen des IPCC. Das Angebot richtet sich an die, die weiterhin Fleisch essen und dabei Tierwohl und Umweltschutz zusammenbringen wollen.

Einfach mitmachen

Auch privat lässt sich das Modell unterstützen: Petra Martin, Stifterin der Stiftung Zukunft jetzt!, nutzt seit einiger Zeit ein Jahresabo bei CrowdFarming. Jeden Monat bringt eine saisonale Überraschungsbox Obst und Gemüse direkt von den Höfen ins Haus. Genau das macht für sie den Reiz aus: Man isst, was die Saison hergibt und unterstützt dabei direkt die Höfe, ohne Zwischenhandel.

Zwei Männer arbeiten an einem Bienenstock
Foto: Crowdfarming
Verschiedenes Gemüse liegt frisch geerntet auf einer Wiese
Foto: Crowdfarming

Zum Weiterlesen:

>> Wirkungsbericht

Transparenzhinweis: Teile dieses Textes wurden mit KI-Unterstützung verfasst.

Kategorien: Projekt-News
Tags: Maßnahmen zur Klimaadaption, Natur- und Umweltschutz